So stehen wir also morgens um halb 10 bei Europcar, um unser reserviertes und bereits bezahltes Auto abzuholen. Nachdem wir eine Stunde in der Schlange gestanden sind, sind wir endlich an der Reihe. Doch wollen sie uns mit unserem Schweizer Führerausweis kein Auto geben – obwohl wir in Australien schon 4x ein Auto gemietet haben (2x davon bei Europcar). «Anderer Staat, andere Regeln», heisst es nur. Obwohl wir ihnen online auf der Seite der Regierung schwarz auf weiss zeigen können, dass wir mit unserem Ausweis bis maximal 6 Monate im Staat Victoria Autofahren dürfen. Nein, geht nicht. Die Dame verweist auf die ausgedruckten Regeln, die anders lauten. Wir gehen über die Strasse und fragen bei Avis und Hertz nach, die bestätigen, dass es keinen internationalen Führerausweis braucht. So gehen wir zurück zu Europcar, doch kein Einsehen. Auch nicht, als wir den Store-Manager am Telefon haben… Nach 4 Stunden geben wir auf, gehen zu Hertz (Avis hat mittlerweile geschlossen ☹) und mieten dort ein sauteures Auto (das letzte, das noch verfügbar ist). Wir haben keine Wahl, denn wir müssen weiter und die Pläne für den Tag, haben wir eh schon gestrichen. 💩
Innerlich immer noch brodelnd, fahren wir nun also in
Richtung Grampians National Park, wo wir in Halls Gap, etwa 3 Stunden von
Melbourne, ein Cottage gebucht haben. Während wir uns installieren und unsere
sieben Sachen auspacken, entdecken wir die Kängurus um unser Cottage. Sehr
cool, dass wir ihnen am Abend direkt von der Veranda aus zuschauen können. Hier
ist es übrigens viel länger hell als an der Westküste, wo die Sonne bereits vor
19.00 Uhr unterging und es um 19.30 Uhr stockdunkel war.
Am nächsten Tag erwartet uns ein besonderer Ausflug: Wir
fliegen mit dem Helikopter über die Grampians zu einer Oliven-Farm. Wunderschön, diesen grünen Park und die Wasserfälle von oben bestaunen zu können.
Auf der Oliven-Farm erwartet uns eine Rangerin, die mit uns eine Wanderung durch den Park macht und uns viele Infos zur Entstehung des Gebietes, zu Fauna und Flora und zu den First-Nations-Völkern gibt.
Besonders die Höhlenmalereien, die wohl mehrere tausend Jahre alt sind, beeindrucken uns.
Die Mozzies (Moskitos, ihr wisst ja, die Aussies
lieben Abkürzungen) haben auch ihre Freude an unserem Besuch. Wir dachten ja
beide, dass bei 10 Grad kein Bugspray nötig ist. Aber das sehen die
hiesigen Mozzies wohl anders. Riesig gross sind die, da können unsere Seeländer
Müggeli gleich einpacken. Und so stechen sie auch einfach durch alle Kleider
hindurch. Die Rangerin hilft mit ihrem Spray netterweise aus.
Nach der Wanderung werden wir noch durch die Olivenfarm
geführt und am Schluss mit einer Auswahl lokaler Erzeugnisse überrascht. Das ist natürlich ganz nach unserem Geschmack. 😉
Nachdem uns der junge Pilot heil wieder an unserem
Ausgangspunkt absetzt, besuchen wir einen der ältesten Weinkeller in der Region.
Wir sind ja gerade eh schon im Degustationsmodus. Manche Reben sind gar 150 Jahre
alt und wurden kurz nach der Besiedlung angebaut. Für die nächsten Tage "ausgestattet" verlassen wir das Weingut dann wieder.
Wir unternehmen am nächsten Tag weitere Wanderungen und erkunden einige der zahlreichen Walking Tracks und Aussichtspunkte auf eigene Faust. Wiederum diese Stille, das Vogelgezwitscher… wunderschön! Ja, auch mit dem steten Gekrächze der vielen Papageien. 😆
Anscheinend sind über 90 % der Besucher hier aus Australien,
da die Grampians international noch nicht so bekannt sind. Schön, dass wir diese Gegend entdecken dürfen!
Wir verlassen Halls Gap und unser Cottage nun und fahren weiter ans Meer. Von Port Campbell aus wollen wir die Great Ocean Road befahren und die bekannten Spots besuchen. Aber unterwegs machen wir noch eine Pause in einer Cheesery. Wir degustieren die 12 verschiedenen Käsesorten und lassen uns dann ein Plättchen zusammenstellen, das wir mit einem feinen weissen Tropfen und der Aussicht auf die 240 Kühe geniessen.
In Port Campbell haben wir dann ein tolles kleines Häuschen mit
Garten und Aussicht über das grüne Tal bis zum Meer. Die Temperaturen erlauben mittlerweile
sogar ein Apéro draussen auf der Terrasse. Yeah!
Nun gilt es die vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Great
Ocean Road zu besichtigen. Wir starten mit den weltweit bekannten 12 Aposteln (mittlerweile gibt es zwar nicht mehr alle 12).
Wir machen aber auch an anderen, weniger bekannten Stellen Halt und merken
schnell, dass sich das lohnt. Wir nehmen uns viel Zeit, laufen zahlreiche
Walking Trecks ab, steigen hunderte von Treppenstufen hinab und klettern diese
dann wieder hoch und stossen so auf teilweise noch imposantere Felswände und
Klippen.
Nach zwei Tagen brechen wir wieder auf und fahren einen Teil der Great Ocean Road zurück in Richtung Melbourne. Aber schon nach einer Stunde biegen wir wieder ab und fahren etwas ins Landesinnere durch die Otway Forrests. Wir finden uns plötzlich wieder mitten in Ur- und Regenwäldern. Wow!
Besonders die Reedwoods mit den 100 Meter hohen
kalifornischen Bäumen und die Hopetoun Falls haben uns gefallen.
Wir wohnen hier in einem kleinen B&B-Zimmer auf einem grossen Anwesen mitten in den Otways (mit neuem Gartenbewohner und Wecker). Ein idealer Ausgangspunkt für weitere Wanderungen also.
Bei einer geführten Wildlife Wanderung, lernen wir einiges über
die Bewohner der Otways und entdecken erstmals auch Koalas im Freien. Natürlich
weit oben in den Bäumen.
Auch ein Wallaby lässt sich von Weitem im hohen Gras
beobachten. Und dann läuft uns auch ein Pademelon (eine Känguru-Art)
über den Weg. Nur Schlange sehen wir keine – obwohl anscheinend am Morgen eine
Brown Snake auf einem der Wege gelegen hat. In diesem behüteten Umfeld mit Guide,
hätte sogar Tatj gerne eine gesehen.
Natürlich ist auch der Besuch des ersten und jahrelang
wichtigsten Leuchtturms Australiens am Cape Otway ein Muss. Wir besichtigen die
alten Gebäude und lassen uns die Geschichte dazu erzählen und wie die Leute
damals gelebt haben. Dann dürfen wir sogar auf den Leuchtturm.
Die Zeit geht jetzt wie im Flug vorbei und wir müssen zurück
nach Melbourne fahren, um unser Auto abzugeben und weiterzufliegen. Unterwegs
machen wir noch den ein oder anderen Sightseeing-Stopp und geniessen bei einer
längeren Pause am Tourquay Beach die schwülwarmen 38 Grad – wir dürfen ja jetzt
wohl kaum sagen, dass es zu heiss ist. 😉 Aber wohlwissend, dass hier morgen noch 25
Grad und bei unsere nächsten Destination noch maximal 15 Grad zu erwarten sind.
Ja, man muss flexibel bleiben in Australien. 😉
Die 6 Jahreszeiten der First-Nation-Bewohnerinnen
Die Aboriginal-Völker Australiens haben eine ganz besondere Beziehung zur Natur und sind eng mit ihr verbunden. Sie teilen ihr Jahr entsprechend anders ein als wir mit unseren 4 Jahreszeiten. So haben beispielsweise die Gariwerd in Victoria (wo wir aktuell sind) 6 Jahreszeiten:
- Kooyang: Spätsommer, Aal-Saison, Januar-März
- Gwangal-moronn: Herbst, Saison der Honigbienen, März-Mai
- Chunnup: Winter, Kakadu-Saison, Mai-Juli
- Larneuk: Vor-Frühling, Saison der nistenden Vögel, Juli-August
- Petyan: Frühling, Wildblumen-Saison, September-November
- Ballambar: Frühsommer, Schmetterling-Saison, November-Januar
Aktuell befinden wir uns in Ballambar und überall in den Grampians
treffen wir auf Schmetterlinge. 😊
Quelle und weitere Informationen: Gariwerd calendar - Indigenous Weather Knowledge - Bureau of Meteorology (bom.gov.au)






















Danke euch beiden für die sehr lebendig verfassten und interessanten Reiseberichte. Es ist mir immer wieder ein Vergnügen und spannend, diese zu lesen. Geniesset es weiterhin und bis bald 😘 - Sonja H.
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